Lebenszeichen, als die Frau in den Sarg sollte
Lebenszeichen, als die Frau in den Sarg sollte
vom 20.05.2009
Steif und kalt lag die Gestürzte da, als der Notarzt in ihre Wohnung in Nordorn kam. Klarer Fall, dachte der Mann. Doch der Bestatter sah das aus gutem Grund ganz anders.
Eine Szene, die aus Horrorfilmen hinlänglich bekannt ist, hat ein Bestatter in Niedersachsen nun tatsächlich erlebt: Als er eine Tote abholen wollte, lebte sie. Der Notarzt hatte die 89 Jahre alte Frau in Nordhorn fälschlicherweise für tot erklärt.
Gegen den 33 Jahre alten Mann wird nun ermittelt. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass die Frau auch ohne den Fehler des Arztes nicht hätte gerettet werden können. Sie starb vier Tage später.
Der Fall liegt schon einige Tage zurück: Die Seniorin war Ende April in ihrem Badezimmer gestürzt. Der von Nachbarn alarmierte Notarzt habe die Frau angefasst, berichtet die Staatsanwaltschaft Osnabrück, und festgestellt, dass sie sich kalt und steif anfühlte.
Die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau wollte er aber erst nachmittags im Bestattungsinstitut vornehmen. Dabei muss der nackte Körper nicht nur oberflächlich, sondern von allen Seiten genau betrachtet werden.
Der Sprecher des Caritasverbandes im Bistum Osnabrück, Roland Knillmann, betonte: «Keiner muss sich Sorgen machen, dass sich so ein Fall wiederholt.» Dieser Zwischenfall bedeute nicht, dass die notärztliche Versorgung in der Grafschaft Bentheim schlecht sei.
Die Caritas sitzt im Aufsichtsrat des Klinikums, Träger sind die katholische Kirchengemeinde und der Landkreis Grafschaft Bentheim. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer, sagte, er habe noch nie von einem vergleichbaren Fall in seinem Bereich gehört. (AP/nz)

